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Die OPSG im Dialog

Fachbeitrag
Interview mit Hans-Peter Konnes | 01.04.2003

Am 31.03.2003 führten wir ein Interview mit Hans Peter Konnes vom DB Bahnhofsmanagement Münster.

OPSG: Warum möchte die Deutsche Bahn AG ein Einheitsdesign auf ihren Zügen? Warum ist kein Raum für die Gestaltung durch andere?

Hans-Peter Konnes: Das Design unserer Züge ist ein Produktdesign und kennzeichnet die Nahverkehrs- und Fernverkehrszüge mit ihren unterschiedlichen Tarifen. Graffiti wird von vielen Fahrgästen nicht als Kunst empfunden. Viele Reisende setzen Graffiti mit Vandalismus und Verunreinigung gleich. Außerdem provoziert Graffiti weiteren Vandalismus und Verunreinigungen an Zügen und Verkehrseinrichtungen. Das macht unsere potentiellen Kunden unzufrieden. Einige meiden sogar den Öffentlichen Personenverkehr und nutzen lieber ihr eigenes Auto. Dadurch gehen uns Kunden verloren.

OPSG: Finden Sie nicht, dass Graffiti zum Teil auch sehr künstlerisch gestaltet sind?

Hans-Peter Konnes: Sicherlich gibt es auch künstlerische Graffiti. Hier muss man ganz klar differenzieren. Aber eins ist wichtig: niemand darf sich auf fremdem Eigentum ohne Einwilligung des Eigentümers künstlerisch betätigen.

Die Deutsche Bahn AG führt regelmäßig Kundenbefragungen durch. Dabei stellt sich immer wieder heraus, dass unsere Kunden Graffiti und Scratching als Vandalismus und Verunreinigung empfinden. Letztlich führt das zum Verlust von Kunden und von Einnahmen. Kurz: Es schmälert den wirtschaftlichen Erfolg der Bahn.

OPSG: Wie hoch sind die Schäden durch Graffiti bei der Bahn?

Hans-Peter Konnes: Allein bei der Regionalbahn Westfalen entstand im Jahre 2002 ein Schaden von 450.000 Euro. Dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle. Die Regionalbahn Westfalen als ein Geschäftszweig der Deutschen Bahn AG steht nämlich im Wettbewerb mit anderen Bahn-Unternehmen. Die Verkehrsverbindungen werden innerhalb der Geschäftszweige ausgeschrieben. Das bedeutet, dass künftig das Verkehrsunternehmen auf den Verkehrsverbindungen eingesetzt wird, das die beste Leistung zum günstigsten Preis bietet.

OPSG: Hat die Deutsche Bahn AG nicht soviel Geld, dass sie die Schäden locker „schlucken“ kann?

Hans-Peter Konnes: Die Deutsche Bahn AG besteht aus vielen verschiedenen Unternehmensbereichen, die alle für sich wirtschaftlich arbeiten müssen und im Wettbewerb mit anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen stehen.

Alle Unternehmensbereiche müssen sich dem Wettbewerb stellen. Wer hohe Kosten verursacht, verliert Aufträge und hat somit weniger Einnahmen. Dass kann auch dazu führen, dass Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Schadenshöhe der Regionalbahn Westfalen entspricht den Kosten von 20 Arbeitsplätzen pro Jahr.

Wir würden uns wünschen, dass die jugendlichen Sprayer die Bahn nicht als einen anonymen Konzern betrachten. Sie sollten auch mal bedenken, dass hier Menschen beschäftigt sind, deren Arbeitsplatz im Münsterland gefährdet werden kann, wenn die Kosten durch die Beseitigung von Graffiti extrem hoch sind.

OPSG: Die Bahn entfernt Graffiti von den Zügen in Münster innerhalb von 24 Stunden. Was versprechen Sie sich davon?

Hans-Peter Konnes: Wir wollen unseren Fahrgästen „saubere“ und intakte Fahrzeuge zur Verfügung stellen, so wie sie es von uns erwarten.

OPSG: Werden die Züge aus dem Umland nach Münster gefahren, um hier gereinigt zu werden?

Hans-Peter Konnes: Nein. Wir haben mobile Reinigungstrupps, die zu den Zügen fahren und Graffiti vor Ort von den Zügen entfernen. Diese Reinigungstrupps sind auf die Entfernung von Graffiti spezialisiert. Die Entfernung läuft flächendeckend, nicht nur in Münster, sondern im gesamten Bereich von Westfalen.

OPSG: Warum fahren gelegentlich noch "bemalte" Fahrzeuge durch den Bereich der Regionalbahn Westfalen ?

Hans-Peter Konnes: Schienenfahrzeuge unterliegen genau wie Straßenfahrzeuge auch planmäßigen Frist- bzw. "TÜV"-Untersuchungen. Ist in einem solchen Fall eine Neulackierung des Fahrzeuges eingeplant, verzichten wir aus wirtschaftlichen Gründen auf das Entfernen des Graffiti.

OPSG: Was unternehmen Sie noch gegen die zumeist nächtlichen Aktionen der Sprayer?

Hans-Peter Konnes: Wir haben in Münster ein Wachschutzunternehmen eingesetzt und einen Großteil unserer Mitarbeiter mit Handys ausgestattet, damit Straftaten sofort gemeldet werden können. Außerdem haben wir gerade damit begonnen, unsere Mitarbeiter für das Thema Graffiti zu sensibilisieren. Sie erhalten dazu gezielte Informationen vom Bundesgrenzschutz. Davon erhoffen wir uns eine wachsende Aufmerksamkeit unserer Mitarbeiter, wenn fremde Personen unbefugt das Gelände der Bahn betreten. Außerdem geht der Bundesgrenzschutz im Bereich der Bahnanlagen regelmäßig Streife. Die Zusammenarbeit mit dem Bundesgrenzschutz ist sehr gut.

OPSG: Bringen Sie jedes Graffiti zur Anzeige?

Hans-Peter Konnes: Ja, wir stellen in jedem Fall Strafantrag. Außerdem fordern wir die Kosten für die Entfernung von Graffiti. Hinzu kommen noch die Kosten für ausgefallene Fahrten des betroffenen Zuges und unsere Anwaltskosten. Da kann eine Menge Geld zusammenkommen.

OPSG: Welche Botschaft [oder „Message“] haben Sie für die Jugendlichen der Graffiti-Szene?

Hans-Peter Konnes: Die Jugendlichen sollen bedenken, dass bei der Bahn Menschen arbeiten, und dass die hohen Kosten, die z.B. durch Graffiti verursacht werden, zum Abbau von Arbeitsplätzen führen können.

Die Jugendlichen sollten die legalen Angebote der Stadt Münster nutzen, denn letztlich gibt es auch wirklich künstlerische Graffiti, die auf diesen Flächen lange von den Menschen in unserer Stadt gesehen werden können. Länger als auf unseren Bahnanlagen.

OPSG: Wir bedanken uns für das Gespräch.

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