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OPSG: Wie bist du auf die Graffiti-Kultur aufmerksam geworden?
Björn: Das kann ich heute eigentlich gar nicht mehr genau sagen. Im nachhinein glaube ich, dass mich die Bilder an Halls meiner damaligen Umgebung im Besonderen wäre hier wohl Essen zu nennen nachhaltig beeindruckt haben. Damals kam das ganze Graffiti-Hip-Hop-Ding erst richtig auf ...
OPSG: Was macht für dich das Besondere dieser Jugendkultur aus?
Björn: Es gab da mal einen klugen Mann, der gesagt hat: „Graffiti ist Kunst, der sich keiner entziehen kann“. Das heißt für mich, wenn jemand irgendwo eine Piece hinsetzt, ist es einfach da. Niemand, der mit dem Zug oder mit dem Auto oder sonst wie daran vorbei fährt, kann sich falls er es auch nur ansatzweise wahrnimmt der Wirkung von Graffiti entziehen. Wie diese Wirkung dann aussieht, ist eine andere Frage ...
OPSG: Wie beurteilst du illegales Graffiti in einer Stadt?
Björn: Interessante Frage ... nach Lage, Style und Ursprung?
OPSG: Okay, wie beurteilst du nach deinem Rechtsempfinden illegales Malen?
Björn: Im Endeffekt muss das jeder für sich selber entscheiden. Früher war ich da wesentlich unkritischer als heute. Das heißt, dass ich heute z.B. Karl-Otto Kleinhausbesitzer nicht mehr die Fassade vollbomben würde, was früher hätte vorkommen können. (Ist es natürlich nie!) In Bezug auf Eigentum hat sich da schon was getan. Ich glaube, dass Karl-Otto-Kleinhausbesitzer genauso ein Recht auf eine Fassade nach seinen Vorstellungen hat, wie ich eins darauf haben sollte, Bilder an Stellen zu malen, wo es niemandem wehtut. Ich glaube, man muss da zwischen Privatpersonen und Firmen unterscheiden. Mag sein, dass das keine populäre Ansicht ist, aber es ist meine.
OPSG: Findest du, dass das Besprühen von anonymen Wohnblocks oder Zügen legitim ist ?
Björn: Legitim ist ein großes Wort. Ich glaube nicht, dass es mir zusteht, darüber zu richten. Ich geh’ auch nicht raus und sag’ irgendwelchen Leuten, sie sollen nicht Bomben gehen, weil das meiner Einstellung zu Privateigentum widerspricht. Vielleicht ist es nicht gerecht, dass die Deutsche Bahn AG ca. 30 Mio. Euro (nach eigenen Angaben) zur Reinigung von Bahnhöfen und Bahnanlagen aufwenden muss. (Das Ganze wohlgemerkt, um alle Bahnhöfe zumindest in meiner Umgebung in wunderbar herzlichem Grau zu streichen.) Aber was ist schon gerecht ...
Wenn ein paar Kiddies rausgehen und einmal den Block vollbomben, ist das vielleicht ein Ärgernis, aber vielleicht gehört das auch zu dieser Art von Gesellschaft. Ich glaube nicht, dass es wirklich legitim ist. Aber ich glaube auch, dass vieles andere, was hier so passiert, es auch nicht ist.
OPSG: Du selbst sprühst legale Graffiti. Warum beschränkst du dich darauf?
Björn: Ich hab irgendwann mit dem illegalen Malen aufgehört. Ich hatte zwei Anzeigen wegen Sachbeschädigung nach § 303 laufen. Irgendwann stand ich vor der Wahl: Kontakt zu Menschen, die mir wichtig waren, oder Malen. Ich hab mir das dann mal durch den Kopf gehen lassen und zugunsten derer, die damit nicht leben konnten, aufgehört. Der Gedanke, wieder anzufangen, ist aber immer irgendwie präsent. Ich glaube, das hat mit dem enormen Kick zu tun. Graff hat mir mal viel gegeben, zu einer Zeit in der es mir nicht sonderlich gut ging. Klingt jetzt sentimental, ist es vielleicht auch. Ich weiß auch nicht so ganz genau warum, aber ein gewisser Drang, der so ab und zu mal hervorbricht, ist irgendwie immer präsent, wenn man mal wieder ein ernst zu nehmendes Piece sieht. Das kommt in Münster aber nicht so oft vor wie in anderen Städten.
OPSG: Illegales Graffiti ist in Münster zurückgegangen. Wo siehst du die Ursache dafür?
Björn: Natürlich kenn’ ich mich in der Szene hier nicht wirklich aus. Ich bin primär zum Studieren hier, nicht zum Malen. Ich glaube aber, dass die OPSG nicht unwesentlichen Anteil daran hat. Ich glaube schon, dass ihr in der Szene gerade auch durch die Zusammenarbeit mit recht guten Malern recht präsent seid oder zumindest irgendwo im Hinterköpfchen gerade der jungen Maler. Ob es eindeutig daran liegt, ist schwer zu sagen. Mag ebenso möglich sein, dass Graff, so wie es in den letzten 3-4 Jahren mit dem Hip-Hop-Boom aufgekommen ist, nur auf das Maß zurückgeht, das es ohne Mitläufer aus eben diesem Hype gehabt hätte.
OPSG: Nicht alle Städte bieten legale Projekte und Wände für Graffiti-Maler an. Wie beurteilst du die legalen Graffiti-Projekte der OPSG?
Björn: Wie schon gesagt, ich glaube, dass ihr Präsenz schafft. Das meine ich nicht nur im unmittelbar juristischen Sinne. Ich persönlich finde das Engagement der OPSG recht beeindruckend. Zumindest nach dem, was du mir so erzählt hast. Vorträge in Schulen, das Projekt Hiltrup usw. Ich kenne wenige Städte, in denen man der Graffiti-Szene so viel Aufmerksamkeit widmet. Welchen Einfluss hat das auf die Szene? Für mich sehr schwer zu sagen. Dafür kenn ich hier zu wenig Leute die aktiv sind oder es mal waren. Ich glaube aber, dass ihr gerade im Segment derer, die „einfach“ losgehen und bomben, schon recht gute Erfolge mit eurer Strategie erzielen könnt.
Allerdings muss ich sagen, dass die Hall of Fame am Industrieweg nicht annähernd das richtige Format bietet. Also ich zumindest male ich ungern Bilder, bei denen man sich bücken muss, um sie überhaupt zu sehen ;-)
OPSG: Welche Bedeutung wird Graffiti in der nächsten Zeit deines Lebens einnehmen?
Björn: Hm. Wie gesagt bin ich hier, um zu studieren, und nicht, um zu malen. Hin und wieder zieht es einen dann aber doch irgendwie an die Wand. Vielleicht fang ich irgendwann mal wieder an, wenn mir das Korinthenkackerleben als Biotechnologe zu sehr auf den Sack geht. Vielleicht ist es aber dann auch schon viel zu spät dafür.
OPSG: Wir danken Dir für das Interview.
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